"Im Rüsselsheimer" - die erste Erwähnung des Rieslings

Riesling ist in Deutschland die am weitesten verbreitete Rebsorte. Sie nimmt über 20% der Rebfläche ein und wird in allen deutschen Weinbaugebieten kultiviert. Zum Andenken an die Ersterwähnung des Rieslings lautet der Name der Weinbergsparzelle direkt unterhalb der Bahnlinie „Im Rüsselsheimer“.

Die weltweit erste urkundliche Erwähnung von Riesling-Reben im Jahr 1435 stammt aus den Rüsselsheimer Rechnungen des Klaus Kleinfisch an seinen Herrn, den Grafen Johann IV von Katzenelnbogen. Für 22 Schillinge hatte er Setzreben einer neuen weißen Rebsorte gekauft. Diese war qualitativ besser,
von fruchtigerem Aroma und frostbeständiger. Kleinfisch und Graf Johann haben mit dieser Entscheidung eine Zäsur im Weinbau ausgelöst.

Bis zum Auftauchen des Rieslings unterschied man nach Farbe zwischen rotem, weißem und schwarzem und nach Wohlgeschmack zwischen hunnischem (schlechterem) oder frenschem (besserem) Wein. Noch 1402 ließen die Mainzer Erzbischöfe keine anderen Weine als ihre geschmacksärmeren, aber  ergiebigeren frenschen Weine zu. Doch nach den Rüsselsheimer Weinlesen folgte eine rasante Ausbreitung des Rieslings. Er erlebte seine erste Blüte, bis die Wirren der Reformation dem Streben nach guten Weinen in Deutschland ein Ende machten.

Nach langer Blüte des Rüsselsheimer Weinbaus ging im 20. Jahrhundert die Anzahl der Weinberge zurück. Im Laufe des 1. Weltkriegs wurde der Weinanbau eingestellt. Im Jahr 1980, als die 1435er Urkunde bekannt wurde, legte die Stadt Rüsselsheim in der Nähe der Festung einen 800 qm großen Erinnerungsweinberg mit 275 Rieslingreben an. Seit 1985 bewirtschaften die Winzerfreunde Rüsselsheim e.V. gemeinsam mit dem Hochheimer Weingut Künstler diese Fläche und bezahlen an die Stadt eine Pacht – wie früher – in Naturalien.

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