Wicker Dorf am Bach
Seit Urzeiten prägt der Wickerbach dieses Tal. Auch das Dorf Wicker hat seinen Namen vom Wickerbach. Der Namens-Ursprung wird aus dem germanischen Wortstamm wikro im Sinne von biegen, weichen, winden hergleitet. Den gewundenen Lauf des Wickerbachs kann man an der vorderen Baumreihe im Tal gut erkennen. Die hintere Baumreihe zeigt heute noch den Verlauf des früheren Mühlbachs an, den man vom Wickerbach abgezweigt hatte, zur Versorgung der Wickerer Mühlen.
Die erste Ansiedlung in fränkischer Zeit entstand unten im Tal, etwa dort, wo der Wickerbach die alte Heerstraße von Mainz über Hochheim, Wicker und weiter in die Wetterau kreuzt (heute B519). Die ältesten Siedlungsspuren aus der Bronzezeit sind vor einiger Zeit auf dem heutigen Gelände der Deponie bei Ausgrabungen gefunden worden.
Wicker Dorf auf dem Berg
Das heute so malerisch auf der Kuppe des Wickerer Berges liegende Weindorf Wicker (wiccrino marca) ist zum ersten Mal vor mehr als 1.100 Jahren urkundlich erwähnt. Am 6. April 910 schenkte der damalige Erzbischof von Mainz, Hatto I., seine Wickerer Besitztümer dem Kloster Fulda. Eine Urkunde aus dem Jahr 927 erwähnt bereits eine Kirche.
Die alten Flurbezeichnungen am alten Kirchhof und auf dem Nonnhof weisen auf die Lage des Dorfes in der Nähe der Straßenmühle hin. Vermutlich hat man den Standort in Bachnähe wegen des jährlichen Hochwassers aufgegeben und sich weiter oben angesiedelt.
Geschichte atmen
Der fränkische Kaiser Otto I. hatte ein Landgut in Wicker, das er im Jahr 970 dem Kloster St. Johannis bei Magdeburg schenkt.
Im Jahre 1294 bezieht der erste urkundlich nachweisbare Pfarrer die Kirche am heutigen Standort auf dem Berg. Wicker gehörte im 13. Jahrhundert den Eppsteiner Grafen, deren Wappen man im Deckengewölbe des alten Kirchturms fi ndet. Danach folgte die Kurmainzer Herrschaft bis zur Säkularisation.
Das Dorf war um 1540 mit einer ca. 4 m hohen und 1 m dicken Befestigungsmauer umgeben, deren Reste heute noch an vielen Stellen sichtbar sind. Etwa 70 Häuser, Stallungen und Scheunen befanden sich innerhalb der Mauer. Im alten Dorfkern von Wicker rund um das Tor zum Rheingau atmet man Geschichte, ein Besuch lohnt sich.

