Inseln im Strom
Kaltzeitliche Rheinterrassen, Rheinauen, Rheinausbau
Im Blickfeld der Stele sehen Sie die Weinbauorte Winkel, Oestrich und, in der Ferne, Hattenheim. Neben den heutigen Inseln im Strom, der Winkeler Aue und der Mariannenaue, lassen sich verlandete Auen sowie Bauwerke zur Sicherung der Berufsschifffahrt Längswerke erkennen.
Eine Vielzahl von Inseln
übersäten einst den Rheinstrom zwischen Mainz und Bingen. Nach Rheingauer Sprachgebrauch werden sie Auen, von Rüdesheim abwärts Werthe genannt.
Auen Kinder des Holozäns
Auen sind der jüngste Teil unserer Landschaft. Noch zur letzten Kaltzeit strömte der Rhein zwischen Rheinhessischem Plateau und Taunus auf einer viele Kilometer breiten Fläche, der Niederterrasse. Frostverwitterung lieferte viel Gesteinsschutt. Der kaltzeitliche Strom konnte nicht alles abtransportieren und lagerte so ein Bett aus Kies ab, den Terrassenkörper. In der 10.000 Jahre vor heute einsetzenden Warmzeit verminderte sich die Schleppkraft des Flusses und es wurden feinere Sedimente abgelagert. Sie überdeckten den Terrassenkörper. Nur in der heutigen Fahrrinne, auf der Flusssohle, fließt der Rhein heute noch auf dem alten Kiesbett.
Warum gibt es im Rheingau so viele Auen?
Das hat mit der Taunus-Hunsrück-Gebirgsschwelle zu tun. Der Rhein zwängt sich durch das enge Binger Loch. Oberhalb des Binger Lochs kommt es dadurch zur Strömungsverlangsamung und zu einer Verbreiterung des Flussbettes. Der Raum konnte nicht überall gleich tief mit Wasser gefüllt sein und es kam so zur Ablagerung der mitgebrachten Sedimentfracht. Wo Sandbänke über längere Zeit nicht wieder von den Fluten weggerissen wurden, wuchsen sie allmählich aus dem Überflutungsbereich heraus und wurden zur Aue. Auf dem Sand wurde Hochflutlehm , ein lehmiger Schlick, abgelagert.
Der gebändigte Strom
Im Gefolge der Rheinschifffahrtsakte von 1831 wurde der Rhein zur Wasserstraße ausgebaut. Ein ungebändigter Fluss verändert stetig sein Bett und verflacht. Für die Berufsschifffahrt auf dem Rhein musste eine ausreichende Tiefe der Fahrrinne, insbesondere bei Niedrigwasser, gewährleistet sein.
Mit Uferbefestigungen kanalisierte man den Strom, und zur Verengung des Abflussquerschnitts wurden einige Auen verlandet und an die Ufer angebunden. Rheincorrecturen, ein System von Längsleitwerken (Kribben parallel zur Strömung) und Bühnen (quer zur Strömung) heben den Wasserspiegel durch Einengung des Fließquerschnittes an.
Weinlagen
Die Lage Schloss Johannisberger (35 ha) ist weingesetzlich eine eigene Ortsteil-Lage. Seit 275 Jahren wird hier ausschließlich die Rebsorte Weißer Riesling angebaut. Auf steinig-grusigen Quarzitböden, überlagert von Lösslehm, werden körperreiche Weine mit langer Lagerfähigkeit erzeugt. 1867 wurde die Weinbergslage nach einer ersten umfassenden Klassifizierung als eine von 13 Spitzenlagen in die Klasse I eingestuft. Die karbonatreichen Löss-/Lösslehmböden im Johannisberger Vogelsang (12 ha) enthalten z.T. Kiese. Ihre fruchtigen Weine sind von einer milden Säure geprägt.

