Oestrich und die Pingsdbach
Oestrich, Pfingstbach, historische Besiedlung, Kloster Gottesthal
Im Blickfeld der Stele sehen Sie das bewaldete Dornbachtal. Von rechts kommt die Pfingstbach , um am ehemaligen
Kloster Gottesthal den Dornbach aufzunehmen. Das alte Oestrich wurde auf einem Schwemmfächer gebaut. Am Ortsrand
führt eine steile Hangkante zur Mittelterrasse. Hier beginnen die Weinberge. Die Bebauung von Oestrich liegt tiefer, auf der
Niederterrasse des Rheins.
Oestrich Siedlung am Wasser
Vom Kerbesberg hat man eine wunderbare Aussicht auf den alten Weinort Oestrich. Erste Siedlungsfunde in der Gemarkung stammen aus der Jungsteinzeit (5.500 bis 2.500 v. Chr.). Frühzeitliche Siedlungsgründungen waren auf eine gut
zugängliche Wasserversorgung angewiesen. Da nahe am Rhein der Schutz vor Hochwasser nicht gegeben war, liegen alte Siedlungskerne meist auf den weiter vom Fluss entfernten Schwemmfächern der Nebenbäche. Die (wohl bronzezeitliche) keltische Gründung Oestrich entstand auf dem Schwemmfächer.
Schwemmfächer wurden in der letzten Eiszeit aufgeschüttet, weil die Bäche bei ihrer Einmündung in den Rhein an Gefälle und damit an Transportkraft verloren und das mitgeführte Material Sand, Kies, Gesteinsschutt dort ablagerten. Als im heutigen gemäßigten Klima weniger Material von den Hängen gespült wurde, konnte der Bach sich eintiefen. Der Schwemmfächer wurde dadurch trockengelegt.
Gewässernamen
sind die ältesten uns erhaltenen Namen überhaupt. Aber was hat der Name des Oestricher Lebens- und Brotbachs Pfingstbach mit Pfingsten zu tun? Nichts! Das mundartlich die Pingsdbach genannte Bächlein wurde früher Vinxtbach geschrieben. Der Name leitet sich vermutlich vom keltischen Wort Vincenna ab (Au Biegende, Gekrümmte, Gewundene). Daraus wurde Vinsa, Vingst, dann Vinxt und schließlich Pfingst.
Pingsdbach
entspringt dem Taunusgebirge, etwa 2,7 km östlich von Stephanshausen. Bei der Kornsmühle nördlich von Schloß Vollrads wechselt sie in den Rheingau und hat sich dabei tief in den Untergrund eingeschnitten. So auch der Dornbach, dessen steile Talhänge nun dichter Baumbewuchs säumt. Weiter unterhalb mündet der Dornbach in die Pfingstbach. Sie quert anschließend Garten- und Grünland, um ab der Bahnstrecke unterirdisch, in einer überbauten Verdolung, den Ort zu passieren und in der Nähe des Oestricher Krans in den Rhein zu münden.
Urwüchsiges Dornbachtal
Kiesfracht des Dornbachs
Urkunde aus dem Jahr 1357
Kloster Gottesthal
Mühlen an der Pfingstbach
Wasser war bis in die Neuzeit auch eine Kraftquelle zur Aufbereitung von Naturprodukten (z.B. Getreide, Öl, Eichen-lohe, Erze). Für bis zu acht Mühlen lieferte die Pfingstbach den nötigen Antrieb. Die meisten der Mühlen waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Betrieb.
Kloster Gottesthal
Wo Pfingstbach und Dornbach sich vereinige lag das historische Kloster Gottesthal. Einige alte Mauern und ein aus dem Jahre 1697 stammendes Pförtnerhaus sind alles, was noch an die fast 600 Jahre wirkenden Zisterzienserinnen erinnert. Das Kloster wurde 1213 gegründet und hatte ab 1284 das Patronatsrecht über die Pfarrei und Basilika St. Aegidius in Mittelheim. Im Februar 1811 wurde durch Aufhebungsbeschluss des Herzogs Friedrich August von Nassau die Geschichte des Klosters beendet (Säkularisation) und der Besitz enteignet. Im Jahr 1812 wurden die Gebäude bis auf das Pfortenhaus abgebrochen.
Weinlagen
Die Lage Mittelheimer Edelmann (90 ha) war in Adelsbesitz, daher der Name. Tiefgründige Lösse und Lösslehme lassen kräftige Weine mit Volumen entstehen. In flachgrün digeren kiesigen Arealen sind die Weine leichter und säurebetonter. Der Oestricher Klosterberg (81 ha) wurde vom Kloster Gottesthal abgeleitet. Die mittel- bis tiefgründigen, fruchtbaren Lösslehmböden enthalten in den oberen Bereichen Quarzit, in den tieferen Bereichen Kies oder auch Sand. Die Weine der Lösslehme sind stoffig und haben eine mine ralische Note. Der Lagenname Oestricher Lenchen (120 ha) weist auf zum Pfingstbach geneigte steilere Hänge hin (Berglehne). Tiefgründige, zum Teil kiesige Lösslehme sowie schwere tertiäre Mergelböden lassen aromatische, stoffige Weine wachsen.

