Am „Friesental“

Tertiärmeer, Rheinterrasse, Böden

Im Blickfeld der Stele sehen Sie im Vordergrund am Rand der alten Rheinterrassenfläche  den wohl „sandigsten  Weinberg  des  Rheingaus“. Der  Schwemmbach  hat  sich  in  den Untergrund eingeschnitten und dadurch die Sande freigelegt. Auf der gegenüber-liegenden  Talseite  liegen  „Vollradser Schlossberg“ das „Vollradser Wäldchen“ und Schloss Vollrads. 

Meeresbrandung im Rheingau

In geologischen Zeiträumen betrachtet ist es noch gar nicht so lange her, als am Taunusrand die Meeresbrandung rauschte.  Eine  Landabsenkung  und  eine  Erhöhung  des  Meeresspiegels führten im Tertiär (im Oligozän, ca. 30 Mio. Jahre vor heute) zur Anbindung ans offene Meer. Oberrheingraben  und  Mainzer  Becken  wurden  überflutet, der Taunusrand war Küstenlinie eines subtropischen Meeres, in dem sich Haie und Seekühe tummelten. Das Meer ließ zahlreiche Zeugen zurück. Im Vollradser Wäldchen fin den  sich  marine  Brandungsgerölle und  der  tonige  Schlick des Meeres.

Der Rhein tritt auf den Plan

Mit  dem  Meeresrückzug  eroberte  der  Rhein  den  Graben. Doch floss der „Ur-Rhein“ damals noch über Rheinhessen. Mit Beginn des Eiszeitalters (Pleistozän, rund 2,6 Mio. Jahre vor heute) verlagerte sich der Rhein allmählich bis an den Taunusrand. Der Taunus wurde nun stärker herausgehoben und das Mainzer Becken senkte sich weiter ab. Der Rhein aber folgte dem sinkenden Untergrund und schuf so eine Hang-Terrassenlandschaft.  Auch  die  Rheinzuflüsse mussten mit der Gebirgshebung Schritt halten und schnitten sich in den Untergrund ein. Das Schwemmbachtal legte am Hang den tertiären Meeresuntergrund, den Mergel, frei.

Frischluftschneise Friesental

Kaltluft, die sich oberhalb des Wäldchens nachts bildet, fließt auf der Talsohle nach Winkel ab. Der Name deutet die kühlen Temperaturen an. Für Reben ist es im Tal zu kalt, daher nutzen Kleingärtner die „Sommerfrische“.

Friesental

Grobe Sandpartikel

Vollradser Schlossberg

Friesental

Weinlagen

Diesseits des Tals befindet sich die Lage Mittelheimer Edelmann (90 ha). Tiefgründige Lösse/Lösslehme lassen kräftige  Weine  mit  viel  Volumen  entstehen.  In  Arealen  mit flachgründigen, kiesigen Böden sind die Weine leichter und säurebetonter.

Der Hang gegenüber gehört zur Lage Winkeler Dachsberg (75 ha). Der Dachs baut gerne Höhlen in den lockeren Löss. Die Weine zeichnen sich durch eine rassige Säure, Fruchtspiel und Harmonie aus.

Der Winkeler Schlossberg (33 ha) ist im Alleinbesitz von Schloss Vollrads. Vielfältig sind die Bodenausgangsgesteine: Löss  und  Lösslehm,  Kies,  Tonschiefer  und  Quarzit. Die Weine sind vollmundig, mit einer fruchtig-frischen Säure und z.T. mineralischen Geschmacksnoten

Böden am Vollradser Wäldchen

„Ein Geschenk des Himmels“ ist der Staub der Eiszeiten, Löss genannt. Er überdeckt die nährstoffarmen Meeressande, die Rheinterrassenschotter und den Quarzitschutt. Kaltzeitliche Winde bliesen das feine, kalkreiche Lössmaterial aus den Schotterbetten aus und lagerten es an den Hängen wieder ab. Die lockeren Böden aus Löss lassen sich tief durchwurzeln, speichern viel Wasser und sind dadurch sehr fruchtbar.

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