Auf dem Sterzelpfad

 Winkel, Löss, Historische Wege

Im Blickfeld der Stele sehen Sie die Weinlagen Hasensprung und Gutenberg (links) sowie den Ort Winkel mit der Pfarrkirche St. Walburga. Jenseits des Rheins mit seinen bewaldeten Auen liegt das Plateau des Westerbergs. Genießen Sie das Panorama, den Blick auf Johannisberg, Winkel und den Rhein.

Winkel

wurde  im  Jahre  850  n.Chr.  erstmals  urkundlich  erwähnt. Eines  der  ältesten  Steinhäuser  Deutschlands,  das  Graue Haus, steht hier. Der Legende nach war es Wohnsitz des Heiligen Rhabanus Maurus, dem Mainzer Erzbischof. Im Jahre 850 übernahm er die Leitung des Erzbistums und speiste 300 Bedürftige seiner Diözese Winkel.

Das Brentanohaus gilt als ein Zentrum der Rheinromantik. Zu den Gästen der Familie Brentano zählten J.W. von Goethe, die Brüder Grimm und Freiherr vom Stein.

Sie befinden sich hier auf dem Flötenweg, der vielleicht meist  begangenen  Wanderroute  des  Rheingaus.  Auf  dem Teilstück, das Schloß Vollrads mit Johannisberg verbindet, verläuft der Sterzelpfad.

Löss

ist der Staub der Eiszeiten. Stürme bliesen feine Mineralkörner aus den Schotterfluren und den vegetationsfreien Böden der Kältewüsten. Bei nachlassendem Wind fiel der Staub zu Boden. Es entstanden Ablagerungen von mehreren Metern Mächtigkeit. Meist liegt das helle, feinkörnige und kalkreiche Sediment vor unserem Blick verborgen im Untergrund.

Böden aus Löss – ein „Geschenk des Himmels“

Der lockere Löss macht es der Rebe leicht, Wurzeln in die Tiefe zu treiben. Der Boden lässt sich gut bearbeiten, wird aber leicht abgeschwemmt. Das große Wasserreservoir gewährleistet auch in Phasen von Trockenheit eine gute Versorgung. Wenn das Kleinklima stimmt, sind Lössböden hervorragende Weinbaustandorte mit besten Reifebedingungen.

Historische Wege

gehören zu den ältesten Spuren des Menschen in der Landschaft. Fast jeder Ort im Rheingau kennt sie. Sie führten strahlenförmig von den Siedlungen in die Gemarkung bis hin zum Höhenzug: als Holzwege zum Wald, als Kuhwege zu Viehweiden, als Weinhohlen in die Weinberge. Die ins Gelände eingetieften, von Mauern gesäumten oder romantisch bewachsenen Wege sind ein schützenswertes Element der Weinbaulandschaft.

Von  Rüdesheim  nach  Wiesbaden,  etwa  in  der  Höhe  der Hanggemeinden, verlief der Sterzelpfad. Auf Mittelhoch-deutsch bezeichnet „Sterzer, Sterzel, Störzel“ den Vagabunden, ein betrügerischer Bettler. Begleitet von Bäumen und Büschen führt der Kuhweg (1488 „An dem kuwe wege“) nördlich aus Winkel in die Flur.

Pfarrkirche St. Walburga

Brentanohaus.

Weinbergsboden aus Löss

Ein karbonat- und basenreicher Feuchtstandort.
• sehr großer Wasserspeicher
• sehr großer Wurzelraum
• mäßig durchlüftet
• mäßig erwärmend
• kalkreich
• reiches Mineralstoffreservoir

Heller Löss

Der „Sterzelpfad“

Weinlagen

Lössböden prägen die Winkeler Weinlagen. In den tieferen Bereichen enthalten sie Beimengungen von Sand, Ton oder Kies, in den höheren Lagen auch Quarzit. Der fruchtbare Löss versorgt die Rebe im Übermaß. Diese Fülle spiegelt sich im Wein wider. Er besticht durch eine ausgeprägte Aromatik, wirkt saftig mit einer Bandbreite verschiedenster Fruchtaromen. Eine gut eingebundene Säure sorgt für Ausgewogenheit und Harmonie.

Der Hasensprung (97 ha) wurde nach dem Feldhasen benannt.  Die  Lage  Gutenberg  (50  ha)  hat  aber  nichts  mit dem Erfinder des Buchdrucks zu tun. Ein guter Berg! Hier ist die Güte des Weines gemeint. Der Schlossberg (33 ha) befindet sich im Alleinbesitz von Schloss Vollrads. Die Weine sind vollmundig, mit einer fruchtig-frischen Säure und mineralischen Geschmacksnoten.

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