Binger Loch und Nahedurchbruch

Rheintal, Nahedurchbruch, Rochusberg

Bei Bingen ändert der Rhein plötzlich seine Richtung und wendet sich in das Gebirge.
Wie konnte er es bezwingen?
Die Nahe nahm den schwierigen Weg durch den Rochusberg.
Warum floss sie nicht im Süden um ihn herum?

Im Relief der Landschaft ist das Auf und Ab von 350 Mio. Jahren  Erdgeschichte,  Wechsel  von  Gebirgsbildung,  Abtrag, Wiedereinebnung und Erosionsarbeit eines Flusses dokumentiert. Lösen wir die Rätsel Schritt für Schritt auf. In jungen Hochgebirgen gipfeln Berge in steilen Graten. Nicht so  im  Rheinischen  Schiefergebirge.  Steil  sind  hier  nur  die jungen Talwände. Ganz oben geht es flach zu. Aber warum?

Zur Zeit des Karbons (360-300 Mio. Jahre) wurde hier ein Gebirge aufgefaltet. Bis ins Alttertiär (60 Mio. Jahre) wurde es  zu  einer  Flachlandschaft  eingeebnet.  Deren  Reste,  die heutigen Hochflächen  von Hunsrück und Taunus, liegen heute meist oberhalb von 400 m Meereshöhe.

Im Blickfeld der Stele Bingen mit dem „Nahedurchbruch“. Die Nahe trennt den Rochusberg vom Münsterer Kopf. Die Verebnung auf dem Rochusberg schuf der Rhein als Hochterrasse. Das sanfte Ansteigen zeigt die Aufwölbung des Gebirges. Die Rupertsberg-Verebnung ist eine Nahe-Hochterrasse.

Der Ur-Rhein

Zwischen Bingen und Bonn verband vor 30 Mio. Jahren ein flaches  Muldental  Nord-  und  Südmeer.  Die  alte  Meeresstraße nutzte auch der Ur-Rhein.

Oberrheingraben und Mainzer Becken senkten sich im Quartär (2,6 Mio. Jahre bis heute) ab, das Schiefergebirge aber wölbte sich auf. Im festen Gesteinsuntergrund des Gebirges blieb der Rhein in seinem Lauf gefangen. Je mehr sich das Gebirge hob, desto tiefer schnitt er sein Bett ein und  bildete  ein  „Durchbruchstal“,  das  heutige  Mittelrheintal.

Quarzitschuttdecke

Berg Kaisersteinfels

Böden aus Quarzit sind Schuttböden.

Kaltzeitliche  Frostverwitterung  zerkleinerte  das  Gestein  in grobe Blöcke, Steine und sandige Feinerde. Zwischen den Gesteinsschichten  des  Quarzits  treten  häufig  Tonschiefer auf. Sie verwitterten zu einer tonigen Erde. Eisenoxide geben dieser mineralstoffreichen Feinerde ihre typische rötliche Farbe. Sandige, steinreiche Quarzitböden sind trocken und nährstoffarm. Die eingemischte Tonerde und eingewehter Löss verbessern die Eigenschaften der „armen“ Quarzitböden.

Die Nahe folgte dem Rhein

Ein Umweg über Gaulsheim hätte der Nahe den schwierigen Weg  durch  den harten  Quarzit  des  Rochusberges  erspart.
Warum aber umfloss sie den Berg nicht?Gefangen in ihrem felsigen Bett folgte sie – unfreiwillig – dem Rhein.

Der  Rochusberg  ist  somit  ein  abgetrennter  Quarzitzug des Rheinischen Schiefergebirges. Rhein und Nahe flossen früher  auf  ihm.  Als  der  Rhein  sich  in  das  Schiefergebirge einschnitt, war auch die Nahe in ihrem felsigen Bett gefangen und musste folgen. So entstand das untere Nahetal als „Durchbruchstal“.

Weinlagen

Der Rüdesheimer Berg ist nach Süden ausgerichtet, die Neigung der steilen Hänge beträgt bis zu 60 Grad. Sonneneinstrahlung und Wärmemengen gehören zu den höchsten im  Rheingau.  Der  Untergrund  besteht  aus  Quarzit,  dem rötlicher Schiefer zwischenlagert. Die steinigen Böden speichern Wärme besonders gut.

Die  Lage  Berg  Schloßberg  (25,3  ha)  wurde  nach  der Schutz-  und  Zollburg  Ehrenfels  benannt.  Die  Lage  bringt würzige, sehr nachhaltige Rieslinge mit harmonischer Säure hervor.

Die  Lage  Berg  Kaisersteinfels  (8,2  ha)  wurde  nach  Kaiser Karl dem Großen benannt, der im 9. Jahrhundert dort die Rebsorte Orleans anbauen ließ. Die Lage bringt Weine von starker Mineralität und kräftiger Säure hervor.

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