Am Rödchen

Rödchen, Martinsthal, Rheingauer Gebück, Landschaftsentstehung

Im Blickfeld der Stele sehen Sie die Weinberge der Lage Wildsau, zentral das Walluftal und rechts den Martinsthaler Berg. Am Relief lässt sich der Übergang vom Mainzer Becken zur Taunus-Südrand-Störung nachvollziehen. Die tieferen, mäßig geneigten Flächen leiten mit einem steilen Anstieg abrupt zum Taunus über.

Am Rödchen

Das im Jahr 1115 urbar gemachte Land gehörte einst dem Dorf Rode und dem gleichnamigen Nonnenkloster. Rode wurde im 14. Jahrhundert aufgegeben, eine Wallfahrtskirche bestand bis ins Jahr 1804. Aus ihren Steinen wurde die heutige Kapelle gebaut. Die Weinbergslage trägt natürlich den Namen „Rödchen“. Am 8. April 1363 machte der Mainzer Erzbischof „Gerlach von  Nassau“  Rode  das  Angebot,  sich  hinter  dem  Schutz des Rheingauer Gebücks neu anzusiedeln und ein Dorf – Martinsthal – mit Wall, Graben und Mauern zu befestigen. Rode folgte dem Aufruf. Für die neue Siedlung bürgerte sich der Name Neudorf ein, bis Martinsthal sich 1935 auf seinen ursprünglichen Namen besann.

Das Rheingauer Gebück

war eine Grenzbefestigung, die den Rheingau 600 Jahre lang umschloss. Die Rheingauer strebten nach Freiheit, Eigenständigkeit und Demokratie. Adel und Bürger schlossen sich zur „Landschaft Rheingau“ zusammen und organisierten eine militärische Verteidigung. Im Süden war der Rhein eine sichere Grenze. Die Ostseite wurde bis Anfang des 12. Jahrhunderts zur „grünen Mauer“ ausgebaut. Aus zu Boden gebogenen und miteinander verflochtenen, „gebückten“ Hainbuchen, entstand ein bis zu 100 Meter breites undurchlässiges Gestrüpp, das  vor  Überfällen  schützte.  Bewehrte Tore  ermöglichten den Durchgang. Das Gebück begann in Niederwalluf, führte über „Neudorf“ in den Taunus und endete bei Lorch am Rhein. Erst 1771 wurde das Gebück aufgegeben und gerodet.

Die Landschaft bei Martinsthal

ist  geprägt  durch  ihre  Lage  an  der  geologischen  Grenze von Mainzer Becken zum Taunus. Das Becken wird von Lockersedimenten (Kies, Sand, Ton) aufgebaut. An den versteilten Hängen geht der Untergrund in Phyllit, ein metamorphes Festgestein, über. Nachdem das Meer sich zurückzog, wurden Fluss- und Seesedimente gebildet („Süßwasserschichten“). Östlich der Walluf liegen sie als gelber und weißer Ton und z.T. als grober Quarzkies vor. In den flachen Bereichen der Lagen Rödchen und Wildsau wächst darauf der Wein.

Villa Nonnenberg.

Flurbereinigung in der Lage Wildsau.

Weinlagen

In den tieferen Bereichen finden sich mittel- bis tiefgründige Lösslehmböden, weiter oben Böden aus Phyllit und dessen Verwitterungslehm. Der Name Wildsau (31 ha) meint die Stelle, an der das Wild aus dem Wald trat („Wildsaue“). Die Weine zeigen eine besondere Frucht mit einer verhaltenen mineralischen Säure. Die Weine des Langenberg (17 ha) sind stoffig mit einer fruchtigen bis würzigen Art und einer mineralischen Säure. Die tiefgründigen Lösslehme im Rödchen (26 ha) enthalten tertiäre Tone, Sande und Quarzkiese. Die Weine sind kräftig und körperreich, mit einer kernigen bis mineralischen Note. Der Nonnenberg (5 ha) erinnert an die Nonnen des Klosters Tiefenthal. Tiefgründige, steinig-grusige Böden aus Phyllit lassen stoffige Weine mit rassiger bis kerniger Säure reifen.

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