Am Gräfenberg
Phyllit, Kiedrich, Kiedrich-Bach
Im Blickfeld der Stele folgen Sie dem Wiesental bis nach Eltville, wo der Kiedrich Bach in den Rhein mündet. In Kiedrich verlässt der Bach den Taunus,verbreitert den Talgrund und die Landschaft öffnet sich. Der Gräfenberg als Ausläufer des Taunus verflacht allmählich und geht über zum Mainzer Becken. In der Sandgrub bildet Sand des Tertiärmeeres den Untergrund.
Gotisches Weindorf
Kiedrich hat eine über 1000-jährige Geschichte, der Weinbau wird erstmals für das Jahr 1131 erwähnt. Die Kirche St. Valentinus und St. Dionysius birgt historische Schätze wie die Kiedricher Madonna (um 1330) und die älteste bespielbare Orgel Deutschlands. Die Michaelskapelle von 1434-1444, erbaut als Totenkapelle mit Beinhaus (Karner), gilt als aufwendigster spätgotischer Bau seiner Art. Burg Scharfenstein wurde ab ca. 1160 errichtet als Erzbischöflich Mainzische Grenzbefestigung, um den Handelsweg von Eltville über Hausen in das Limburger Becken zu schützen. Die Burg war ab 1191 Stammsitz der Schwarzen und Grünen von Scharfenstein, später der Cratz von Scharfenstein. Sie verfiel seit dem 16. Jahrhundert.
Landschaft am Taunusrand
Die Auffaltung des Gebirges und die unterschiedlich starke Hebung von Gesteinsschollen ließ am Südrand des Taunus mit die ältesten Gesteine Europas ans Tageslicht treten: Phyllit, Serizitgneis und Grünschiefer. Entlang eines schmalen Streifens bilden sie als markante Bergrücken eine Art Vorbergzone vor dem Taunuskamm.
Phyllit Methusalem der Rheingauer Gesteine
Vor etwa 470-485 Mio. Jahren wurden Tonsedimente nahe einer Meeresküste abgelagert. Unter dem enormen Gewichtsdruck aufliegender Gesteine entstand daraus der schiefrige Phyllit (griech. Phyllos = Blatt). Das Gestein besteht vorwiegend aus Serizit, ein blättriges Glimmermineral.
Löss ist ein vom Wind transportiertes kalkreiches Sediment, das in den Eiszeiten gebildet wurde.
Boden prägt den Wein
sagen Experten und sprechen vom Terroir. Charakteristisch für Rieslinge kalkfreier, grobbodenreicher Böden ist ihre Mineralität. Rieslinge vom Löss werden mit Attributen wie Fruchtigkeit oder Weichheit in Verbindung gebracht. Grobbodenreiche Phyllitböden an steilen Hängen sind trockene Standorte. Die Rebe muss mit Wasser sorgsam haushalten. Hier wachsen mineralische Weine mit feinfruchtigen Aromen und frischer, belebender Säure. An den Unterhängen sammelt sich abgeschwemmtes Bodenmaterial und bildet humus- und feinerdereiche Schwemmböden. Sie enthalten Lösslehm, tonigen Verwitterungslehm des Phyllit und Gesteinsbrocken. Die Rebe ist hier reichlich mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Rieslinge sind saftig, füllig und von ausgeprägter Aromatik.
Weinlagen
Die Lage Gräfenberg (10 ha) gehört zu den wenigen Rheingauer Weinlagen, die vollständig als Premiumlage klassifiziert wurden. Ende des 12. Jahrhunderts wurde der Berg mons Rhingravii = Berg des Rheingrafen genannt. Auf Lösslehmböden mit steinig-grusiger Beimengung von Phyllit sind die Weine meist körperreich mit einer differenzierten Fruchtaromatik. Der Name Wasseros (27 ha; von wasserrunst) ist seit 1393 überliefert und deutet auf austretende Quellen hin. Auf Löss/Lösslehm, teilweise auch flachgründigen steinigen
Böden wachsen Weine, die oft vegetativ und durch eine mineralische Säure geprägt sind. Im Bereich der Sandgrub (69 ha) dominieren Löss-/Lösslehmböden, örtlich treten Kies- und Sandschichten auf. Die Säure der Weine ist harmonisch und gut in die Aromatik eingebunden.

