Der Blick hinter die Mauer
Steile Lagen können oft nur mit Hilfe von Stützmauern kulturfähig gemacht
werden. Weinbergsterrassen haben ein flacheres Gefälle, dies verlangsamt den Oberflächenabfluss, schützt dadurch den Boden vor Abtrag und erhöht gleichzeitig die Infiltration von Wasser. Tiefgründiger Boden hinter der Mauer sorgt für gute Wachstumsbedingungen. Positiver Nebeneffekt: Mauersteine fördern ein warmes Kleinklima.
Die Weinbergsmauer ein kleines technisches Wunderwerk
Ein Terrassenweinberg stellt hohe Anforderungen. Im unteren Bereich der Aufschüttung muss der Hang abgestützt werden. Hier kommt die Weinbergsmauer ins Spiel. Sie ist mit einer leichten Neigung gegen den Hang gebaut und ähnlich wie ein Wasserstaudamm mit einer Wölbung gegen den Hang. So kann die Mauer dem Druck, den der Boden ausübt, optimal standhalten.
Die zweite und vielleicht noch wichtigere Anforderung an die Mauer ist ihre
Entwässerungsfunktion. Der Trick sind die mörtellosen Fugen der Trockenmauer.
Sie lassen zu, dass Wasser aus dem Boden abfließt. Dies geschieht so langsam, dass der Boden nicht vollständig austrocknet. So sorgt die Weinbergsmauer dafür, dass die Reben weder verdursten noch ertrinken.
Der Blick hinter die Mauer
Hinter der Weinbergsmauer wurde Gestein und Boden aufgeschüttet. Das von grob nach fein sortierte Lockermaterial leistet Austausch- und Filterfunktionen. Direkt hinter der Mauer lagert grobes Gestein. Weiter entfernt von der Mauer wird der Boden feinkörniger.
Der Feind der Mauer ist das Wasser
Schiefermauern zeigen bald Zerfallserscheinungen, die zum Einsturz von Mauerteilen führen können. Beschattung und Bewuchs fördern die Verwitterung des Schiefers. Mit der Zeit setzen sich die Mauerfugen mit Feinboden zu und die Entwässerungsleistung nimmt ab. Saugt sich das Feinmaterial voll Wasser und es gibt Frost, dann fängt die Mauer an zu arbeiten. Sie verliert an Stabilität und zerfällt. Heute verwendet man Quarzit, der eine weitaus höhere Festigkeit und Lebensdauer hat als weicher Tonschiefer. Das Wasser wird bei den mit Mörtel verfugten Mauern aus Quarzit über Drainagerohre abgeleitet.
Biotop Trockenmauer
In einem Terrassenweinberg bietet das Zusammenspiel aus heißen, trockenen
Mauerkronen, Mauernischen und tiefgründigen feuchten Böden ein buntes Mosaik von miteinander verzahnten Kleinstbiotopen. Es ist ein perfekter
Lebensraum für verschiedenste wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten, wie zum Beispiel verschiedene Sedum-Arten (Mauerpfeffer, Fetthenne), Zaun- und Mauereidechsen sowie Blindschleichen.

