Wandern. Wundern. Schätze entdecken

Was die Marienkirche in Aulhausen weltweit einzigartig macht

Die Marienkirche in Aulhausen (www.marienkirche-aulhausen.de) bietet dem Besucher gleich mehrere „Schlüssel-Erlebnisse“. Das erste ist wörtlich zu nehmen. Ist die Kirchentür mal verschlossen, wählt man per Handy eine Nummer und bekommt einen Code für einen Schlüsseltresor, der sich nur wenige Meter entfernt an der südöstlichen Seite dieses Gotteshauses befindet.

Ansonsten ist Kurt Weigel zur Stelle. Weigel war 25 Jahre Priester und Urlaubseelsorger auf der Insel Wangerooge. Daneben hatte er sich als Buchautor und durch Ansprachen im Hörfunk und TV einen Namen gemacht. Seit Mai 2015 nimmt er im St. Vincenzstift (www.st-vincenzstift.de ), zu der auch diese Kirche gehört, priesterliche Aufgaben wahr.

Die weiträumige Anlage des Stiftes ist eine caritative Einrichtung zur Erziehung, Bildung und Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Beeinträchtigung. Dr. Dr. Caspar Söling ist Sprecher der Geschäftsführung dieses Stiftes. Als sein Vorgänger ihm das Amt übergab sagte der zu ihm „Da musst du etwas machen“ und meinte damit die Marienkirche. Diese sei, wie Söling es ausdrückt, über viele Jahre „kaputtsaniert“ worden. Söling schritt zur Tat und beauftragte das Frankfurter Atelier Goldstein der Lebenshilfe e.V. mit der künstlerischen Ausgestaltung der gesamten Kirche. In diesem Atelier arbeiten ausschließlich Künstler mit Beeinträchtigung. Und so kam es, dass die Marienkirche seit der Eröffnung im Januar 2016 die weltweit erste und einzige Kirche ist, die ausschließlich von Menschen mit Beeinträchtigung ausgestattet wurde. Die Fenster leuchten jetzt in hellen Pastelltönen. Im Fußboden sind silberfarbene Metallleisten eingefügt, die einen Engelflügel symbolisieren. Dominiert wird der helle, freundliche, aber im Sinne der Zisterzienser auch spartanische Innenraum von einer mächtigen hölzernen Christusstatue.

Wo das Wort zur Tat werden kann…

Das ist der Ort, wo Kurt Weigel sonntags seine „Tatort“-Gottesdienste hält. „Viele Freunde und Bekannte haben mir gesagt: Du kannst uns immer anrufen und zum Gottesdienst einladen, aber nicht ab 20.15 Uhr am Sonntag, da schauen wir Tatort“. Weigel nahm sich das zu Herzen und lud deshalb schon um 18.00 Uhr zu seinen Eucharistiefeiern „der etwas anderen Art“ ein. Zu einer Liturgie, bei der Gottes Wort mit Musik, Literatur und anderen Elementen belebt und angereichert ist. Der gebürtige Cloppenburger wünscht sich, dass so mit diesen „Tatort“-Gottesdienstes „das Wort zur Tat werden kann.“

Eine Abtei mit neuem Medienstar

Seit Februar 2021 hat die Abtei einen Medienstar. Es ist Schwester Philippa Rath, Ordensfrau und Vorstand der Klosterstiftung St. Hildegard. Seit am 1.2.21 ihr Buch „Weil Gott es so will“ (304 Seiten, 25,-€) im Herder Verlag erschienen ist, steht bei ihr das Telefon nicht mehr still. Sie stellt darin 150 Frauen vor, die gerne Priesterin oder Diakonin geworden wären. Das Buch trifft offenbar den Nerv der Zeit, geht es doch um die Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche. „Von langer Hand geplant habe ich das Buch nicht“, erzählt Schwester Philippa. „Es ist ein Thema, das Gott mir zugeschoben hat“ und ergänzt: „In unserer Abtei sind wir von diesem Thema allerdings kaum betroffen. Denn wir sind eine sogenannte exemte, d.h. unabhängige Abtei und können unsere Angelegenheit selbständig regeln.“

Übernachten, genießen, einkaufen – in dieser Abtei ist vieles möglich

Eine Unabhängigkeit, die der Abtei sichtlich guttut. „Das Gästehaus mit seinen 25 Zimmern ist über das ganze Jahr verteilt zu 90 Prozent ausgelastet.“ Schwester Philippa hofft, dass das Gästehaus wie auch der Klosterladen und das Klostercafé bald wieder öffnen dürfen. Schließlich ist der Name, den dieses zwischen 1900 und 1904 erbaute Benediktinerinnenkloster trägt, wieder in aller Munde. Dafür hat jüngst Papst Franziskus gesorgt. Er entschied, dass an die Äbtissin, Mystikerin und Gelehrte Hildegard von Bingen künftig weltweit am 17. September im Kirchenkalender erinnert werden soll. An diesem Tage des Jahres 1179 verstarb die Heilige Hildegard im Kloster Rupertsberg bei Bingen. Ihr Reliquienschrein wird unterhalb der Abtei in der ehemaligen Kirche des
alten Klosters Eibingen und heutigen katholischen Wallfahrtskirche St. Hildegard und St. Johannes der Täufer aufbewahrt.

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Wandern und Wundern

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